OKKA-ESTHER HUNGERBÜHLER – NASE

08.04. – 30.06.2022

Softopening: 08.04.2022, 19 Uhr

Öffnungszeiten: Do/Fr 16–20 Uhr, Sa 12–16 Uhr

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Kuratorin: Laura Helena Wurth

 

Prominent sitzt die Nase da. Mitten im Gesicht. Ein bisschen blöd, jedoch sehr nützlich. Über die Nase lassen sich Assoziationsketten spinnen, in deren Zwischenräumen sich die Einzelausstellung der Künstlerin Okka-Esther Hungerbühler einnistet. Unter dem Titel “Nase” vereinen sich dann auch neue Skulpturen, Malereien und Installationen. Hungerbühlers Arbeiten verbinden sich unter Ihresgleichen und immer auch mit denjenigen, die sie betrachten. Oftmals sind die Skulpturen robotisiert und dadurch mit der Fähigkeit ausgestattet, auf den Besuchenden zu reagieren. Sie sind sich aber auch selbst genug. So fährt “Parvati” genügsam ihre Route ab. Immer im “Kreisverkehr”, auf dem übergroßen roten Filzkleid, das sich von der Wand über den Boden ergießt. Die Geschichten, die sich dabei auftun, bewegen sich in dem Raum zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten. Das Neue hat das Vertraute noch nicht ganz abgelöst. Es ist der Raum des Dazwischen, in den Hungerbühler ihr Publikum einlädt. Rites of Passage. Ausgang: Ungewiss.

Es kommt einem seltsam vertraut vor: das billige Material, aus dem die Skulpturen bestehen. Geschenkpapier, Kunstfedern, Gartenzwerge. Irgendwie süß, immer knapp davor, ins Groteske abzurutschen. Die Skulpturen sehen aus, als wären sie hastig, nach einem großen Unfall, unaufmerksam und notdürftig wieder zusammengeflickt worden und würden jetzt ​​– zerdellt und etwas verwirrt – ihren Platz in der Welt erst wieder suchen müssen. In einer Welt, in der eigentlich kein Platz ist für Dinge ohne eindeutige Funktion. Die Fäden der Heißklebepistole, mit denen Hungerbühler ihre Skulpturen zusammengeklebt hat, sind noch sichtbar. Der Weihnachtszwerg “Baby Girl” verbirgt nicht, dass er unter seiner neuen Mütze, die ihn als “Baby Girl” ausweist, eben immer noch ein Weihnachtszwerg ist und irgendwie auch nicht aus seiner Haut kann. Es ist der Makel, der die Figuren zum Leben erweckt. Und es sind die Bruchstellen, die ihre Geschichten erzählen. Hungerbühler bietet keine ausformulierten Narrative an. Die Geschichten funktionieren wie Miniaturen, die sich im Moment ihres Auftauchens schon wieder verflüchtigen und gerade das verdeutlicht die unendlichen Möglichkeiten, die sich im Leben tummeln. Viele der Figuren tauchen immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen im Werk Hungerbühlers auf und bieten alternative, oder sich überlappende Erzählstränge an. Dabei offenbart sich eine Welt, die aus den Fugen geraten zu sein scheint. Neben den Skulpturen sind Malereien zu sehen: Big Ben in London, das Schloss Neuschwanstein und der Eiffelturm in Paris. Sie alle sind als Sehnsuchtsorte fest verankert im Repertoire der Begehrlichkeiten. Und so dröseln sich über die “Nase” Themen wie Vergänglichkeit und Sehnsucht auf. Wie in Märchen ist es auch in der Arbeit von Hungerbühler so, dass die Dinge nur auf den ersten Blick wirken, als wären sie niedlich und für Kinder gemacht. Weil ihnen eine größere Weisheit, ein tieferes Wissen, um das komplizierte Innenleben der Menschen innewohnt.

 

Okka-Esther Hungerbühler (*1988, Bonn)

studierte von 2010 bis 2016 an der Universität der Künste in Berlin bei Thomas Zipp und verbrachte ein Semester an der Cooper Union in New York City.

Einzelausstellungen fanden unter anderem statt bei: The Bellermann Hyptonotist, Berlin: „Okka’s Kleider“ (2021); Schwartzsche Villa, Berlin: „Die faule Nuss“ (2019); Galerie Haverkampf Leistenschneider, Berlin: „Willkommen im neuen Jahr“ (2018), „Ich zeige mich von der vorteilhaftesten Seite“ (2019); Avlskarl Gallery, Copenhagen: „Empty bars from above“ (2018); D.e.l.f., Wien: „Jeder gegen jeden“. Teilnahme an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen. Unter anderem im Kunstverein Schwerin; den KW Berlin; der Galerie Wedding, Berlin; den Kunstsaele Berlin; Ashley Berlin; dem MuMoK Wien und der Oz Zingaro Galerie, Tokio. 2014 erhielt sie den Berlin Art Prize. 2016 war sie als Residenzkünstlerin in der Villa Concordia in Bamberg. Ihr erster Katalog „Die faule Nuss“ erschien 2019 anlässlich der gleichnamigen Einzelausstellung in der Schwartzschen Villa, Berlin im Distanz Verlag. 2021 erhielt sie das Recherche-Stipendium der Stadt Berlin.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz, durch die Stiftung Kunstfonds im Rahmen des Sonderförderprogramms 20/21 NEUSTART KULTUR - Förderung von Kunstvereinen, sowie mit freundlicher Unterstützung der Schweizerischen Botschaft in Berlin.

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