PRESSEMELDUNGEN
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PRESSEMELDUNGEN
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Angela De La Cruz
BARRICADE / DRESDEN
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29.08. - 10.10.2026
Eröffnung 28.08.2026, 19:00h
Kuratorin: Bettina M. Busse, Wien
28.8. | 19 h | Ausstellungseröffnung
Kuratorin Bettina M. Busse und Adina Rieckmann, Vorstandsvorsitzende
29.8. | 11 h | Kleines Sommerfest
Kunstgespräch mit Bettina M. Busse, Kuratorin und Adina Rieckmann, Vorstandsvorsitzende
13:30 h | Cyanotypie-Workshop für Kinder von 3 bis 99 mit Nadine Wölk
18.9. | Kunst in leichter Sprache erklärt
17 – 18:30 h | mit Adina Rieckmann und Christoph Macha
20.9. | 11 h | Tanzperformance von Sophie Hauenherm während
des Gottesdienstes in der Frauenkirche Dresden mit Pfarrer Markus Engelhardt
Öffnungszeiten Kunstverein: Do & Fr 16-20 Uhr, Sa 12–16 Uhr und nach Vereinbarung


Photos: Carmen Albers
Seit mehr als drei Jahrzehnten untersucht Angela de la Cruz die Möglichkeiten und Grenzen
der Malerei. Dabei interessiert sie sich weniger für das Bild als autonome Fläche als für die
Frage, was Malerei sein kann, wenn sie ihre traditionelle Form verlässt. Ihre Arbeiten
bewegen sich zwischen Bild, Objekt und Skulptur und machen die materiellen, räumlichen
und körperlichen Bedingungen des Mediums sichtbar.
Ein Schlüsselwerk für diese Entwicklung ist Homeless von 1996. Die Arbeit steht nicht mehr
an der Wand, sondern liegt auf dem Boden; der Keilrahmen ist gebrochen, die Leinwand ihrer
gewohnten Ordnung entzogen. Damit löst de la Cruz das Bild aus seiner traditionellen
Position und macht seine Materialität und Räumlichkeit zum eigentlichen Gegenstand. Was
zunächst wie eine Zerstörung erscheint, wird zu einem produktiven künstlerischen Verfahren.
Leinwände werden zerrissen, zerschnitten, gefaltet, neu gespannt oder zusammengefügt;
Keilrahmen werden auseinandergebrochen und neu kombiniert, Möbel zerlegt und in neue
Strukturen überführt. Zerstörung und Konstruktion sind dabei untrennbar miteinander
verbunden.
De la Cruz begann in den 1990er-Jahren am Goldsmiths College in London Malerei zu
studieren – zu einer Zeit, in der das Medium vielfach als überholt oder, wie es damals hieß,
als „ugly sister“ der zeitgenössischen Kunst betrachtet wurde. Ihre Antwort darauf war keine
Rückkehr zur traditionellen Malerei, sondern deren radikale Dekonstruktion. Indem sie die
Leinwand vom Keilrahmen löste und den Keilrahmen selbst zum Bestandteil des Werks
machte, verschob sie die Grenzen zwischen Bild und Objekt. „In the moment I cut through the
canvas I get rid of the grandiosity of painting“, beschreibt die Künstlerin diesen Prozess.
Von Beginn an ist diese Auseinandersetzung eng mit dem Körper verbunden. Masse,
Volumen, Gewicht und Verletzlichkeit spielen in ihrer Arbeit eine zentrale Rolle. Der
Keilrahmen wird dabei zu einer Art Verlängerung des Körpers: Das Ziehen, Brechen, Falten
und Pressen der Materialien sind physische Handlungen, die den Arbeiten eine unmittelbare
Körperlichkeit verleihen. Die scheinbar abstrakten Formen erhalten dadurch eine beinahe
organische Präsenz. Die Verbindung von Leinwand und „realen“ Objekten wie Stühlen,
Tischen oder Schränken, die de la Cruz bereits in den 1990er-Jahren entwickelte, führt diese
Verschiebung vom Bild zum Objekt konsequent weiter.
Auch die Installation Barricade, die im Kunstverein Dresden gezeigt wird, basiert auf diesem
Prinzip der Transformation. Die Serie wurde in unterschiedlichen Konstellationen bereits in
Wien und Berlin präsentiert. Zerlegte Möbel und fragmentierte Leinwände werden zu
Konstruktionen zusammengefügt, die sich wie Schutzschilde oder provisorische Barrieren in
den Raum stellen. Die Arbeiten versperren den Weg und verändern damit unmittelbar die
Beziehung zwischen Werk und Betrachter. Aus dem Bild wird eine räumliche Situation, aus
der Betrachtung eine körperliche Erfahrung.
Die Barrikade ist dabei nicht nur ein formales Motiv. Sie steht für Abgrenzung, Schutz und
Widerstand, aber auch für eine gesellschaftliche Situation, in der Fronten entstehen und
Räume geteilt werden. Historisch war die Barrikade ein Symbol des Aufstands und der
vorübergehenden Aneignung von Macht durch jene, die über wenig andere Mittel verfügten.
Bei de la Cruz bleibt diese politische Dimension offen und ambivalent: Eine Barriere schützt,
schließt aber zugleich aus. Sobald eine Grenze errichtet wird, entstehen zwei Seiten – und
damit die Frage, auf welcher Seite wir uns befinden.
In den Arbeiten der Serie Barricade Hurdle wird diese Ambivalenz besonders deutlich. Die
fragmentierten Leinwände erinnern an Körper, die auseinandergenommen und wieder
zusammengesetzt wurden. Zwischen den aufeinanderstoßenden Leinwandrändern bleiben
schmale Spalten sichtbar, die beinahe wie Haut wirken. Die zurückgenommenen Farben –
gebrochenes Weiß, Schwarz und erdige Rottöne – verstärken den Eindruck von
Verletzlichkeit und Entblößung. Gleichzeitig besitzen die Arbeiten eine eigentümliche
Aggressivität: Sie stehen dem Betrachter buchstäblich im Weg.
In Barricade (Chairs), Barricade (Sofa) und Barricade (Tables) überführt de la Cruz auch
Möbel in diese neue, fragile Form. Die Objekte werden zerlegt, ihrer ursprünglichen Funktion
beraubt und als Gerüste neu zusammengesetzt. Ihr Inneres und ihre Konstruktion werden
sichtbar – als wären sie ihrer Haut entledigt worden. Was einst für Komfort, Schutz und
Alltag stand, erscheint nun als instabiles Skelett.
So verbindet Barricade zentrale Fragen, die Angela de la Cruz’ Werk seit den 1990er-Jahren
bestimmen: die Auflösung der Grenze zwischen Malerei und Skulptur, die physische Präsenz
des Materials, die Nähe von Zerstörung und Konstruktion und die Beziehung des Kunstwerks
zum Körper. Die Malerei wird dabei nicht aufgegeben, sondern immer wieder neu erfunden.
Gerade indem de la Cruz sie beschädigt, zerlegt und ihrer vermeintlichen Sicherheit beraubt,
eröffnet sie ihr neue Möglichkeiten.
Angela de la Cruz wurde 1965 in A Coruña in Galicien im Nordwesten Spaniens geboren
und lebt und arbeitet in London. Sie studierte Philosophie an der Universität von Santiago de
Compostela, Spanien (1987), bevor sie nach London zog, wo sie einen BA in Bildender
Kunst am Goldsmiths College, London, UK (1994) und einen MA in Bildhauerei und kritischer
Theorie am Slade, London, UK (1996) erwarb.
Einzelausstellungen: IKON Gallery, Birmingham (2026); Galerie Krinzinger Wien (2023);
Helga de Alvear Gallery, Madrid, Spanien (2022); Galerie Thomas Schulte, Berlin,
Deutschland (2019); Museo Cabañas, Guadalajara, Mexiko (2021); CGAC, Santiago de
Compostela, Spanien (2019); Lisson Gallery, London, UK (2018); Azkuna Zentroa, Bilbao,
Spanien (2018); Peer, London, UK (2016); Wetterling Gallery, Stockholm, Schweden (2016);
Fundacion Luis Seoane, A Coruña, Spanien (2015); Carreras Mugica, Bilbao, Spanien
(2014); Wetterling Gallery, Stockholm, Schweden (2013); Camden Arts Centre, London, UK
(2010); Centro Andaluz de Arte Contemporáneo, Sevilla, Spanien (2005); Museo de Arte
Contemporanea de Vigo und Annex Space MARCO, Spanien (2004).
2010 wurde de la Cruz für den Turner Prize nominiert und erhielt den Paul Hamlyn Award im
Vereinigten Königreich. Im Jahr 2017 wurde sie mit dem Premio Nacional de Artes Plásticas
in Spanien ausgezeichnet. Im Jahr 2021 wurde de la Cruz mit dem Sunny Dupree Family
Award for a Woman Artist für ihr Werk in der Sommerausstellung der Royal Academy in
London ausgezeichnet, und 2022 wurde sie für den David and Yuko Juda Foundation Grant
nominiert.
Bettina M. Busse, Wien




Die Ausstellung Angela de la Cruz: BARRICADE :/ DRESDEN wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, das Amt für Kultur und Denkmalpflege der Landeshauptstadt Dresden sowie die Stiftung Kunst & Musik für Dresden und unterstützt durch die Stiftung Frauenkirche Dresden. Die Förderung erfolgt aus Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.
Der Kunstverein Dresden dankt der Galerie Krinzinger (Wien) und der Galerie Thomas Schulte (Berlin) und besonders Angela de la Cruz für die Unterstützung bei der Realisierung der Ausstellung.