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TAMARA KAMETANI, DAVOR KONJIKUšIć, BORDER FORENSICS – GEFÄHRLICHE GRENZE

Laufzeit: 06.06. - 11.08.2024 

Eröffnung: 06.06.2024, 19 Uhr 

 

Kuratorin: Tanja-Bianca Schmidt im Rahmen des DFG-Forschungsprojektes „Bildproteste in den Sozialen Medien“

Öffnungszeiten: Do/Fr 16–20 Uhr, Sa 12–16 Uhr und nach Vereinbarung 

Die europäischen (Außen)Grenzen sind von Gewalt geprägte Räume. Dabei war Grenzgewalt noch nie so sichtbar wie heute, denn zahlreiche oftmals verstörende Bilder von Ereignissen an den Grenzen werden medial zirkuliert. Illegalisierte und gefährdete Körper an Zäunen, in Lagern oder auf Booten stehen hochgerüsteten Grenzpolizist:innen gegenüber. Tumultartige Videoaufnahmen, Bilder von gewaltvollen Pushbacks, von verletzten und leblosen Körpern – es hat sich ein komplexes Bildphänomen der gefährlichen Grenze herausgebildet.

Dabei sind Herkunft und Ästhetiken der Bilder aus den Grenzräumen sehr unterschiedlich. Sie können von Überwachungskameras stammen, von Kameras professioneller Nachrichtenteams und NGOs, oder von den Smartphones geflüchteter Menschen. Ihre Bildpolitiken sind höchst unübersichtlich und ambivalent. Für eine kontrovers geführte öffentliche Debatte über Flucht und Asyl spielen sie oft die zentrale Rolle und werden von Befürworter:innen wie von Gegner:innen von Migration instrumentalisiert. Eine Reflexion mediatisierter Grenzregime ist deshalb dringend notwendig.

Die Ausstellung versammelt mit Davor Konjikušić, Tamara Kametani und der Rechercheagentur Border Forensics drei künstlerische Positionen, die sich mit Bildern aus den Grenzzonen Europas auseinandersetzen. Ihre Arbeiten eröffnen eine neue Perspektive auf Migration: Wer darf oder kann Grenzen überschreiten? Wie konstituieren sich Grenzen? Und welche Funktionen erfüllen dabei die Bilder?

Davor Konjikušić (*1979, lebt und arbeitet in Zagreb) greift in seiner Serie „Aura: F37“ (2015) auf die Ästhetik staatlicher Überwachungsbilder zurück, die mit Nachtsichtkameras aufgenommen werden. Diese Technik der Sichtbarmachung klandestiner Migration erfasst mehr als das menschliche Auge und kann dadurch Bewegungen auch in völliger Dunkelheit oder undurchdringlicher Vegetation orten. Seine Bilder von der ungarischen Grenze, die für brutale Pushbacks bekannt ist, zeigen Menschengruppen in Grauabstufungen, die abstrahiert und geistergleich erscheinen. Trotz oder gerade wegen ihres hohen Abstraktionsgrades rufen die Bilder die omnipräsente Ikonografie migrantischer Körper an der gefährlichen Grenze auf: Es besteht kein Zweifel, dass wir hier keine Spaziergänger:innen sehen, sondern Geflüchtete, die ungesehen die „grüne Grenze“ passieren möchten. Die Fotografien werden von einer Audiospur begleitet, auf der ein Migrant von seiner Flucht erzählt.

 

Die Künstlerin Tamara Kametani (*1988, lebt und arbeitet in Athen) zeigt ihre Videoinstallation „The Sea Stayed Calm for 180 Miles“ (2017). Darin setzt sie sich mit der Übertragung von Grenzräumen per Google Earth auseinander. Sie greift Bildmaterial auf, das angeblich das Meer vor Lampedusa in Echtzeit zeigt, jedoch auf einer computergenerierten Animation basiert, die Google hier einsetzt. Die Wasseroberfläche bewegt sich stets sanft und die Bilder machen weder Boote noch Migrant:innen sichtbar. Es handelt sich um eine Projektion, die Authentizität nur vorgibt. Die Ausstellung präsentiert eine begehbare, immersive Medieninstallation dieser Arbeit.

 

Als dritte Position präsentiert die Ausstellung die Arbeit der Rechercheagentur Border Forensics, die Charles Heller (* lebt und arbeitet in Genf) 2021 gründete. Für ihre Investigationen verwenden Border Forensics unterschiedlichstes digital zur Verfügung stehendes Bildmaterial, das sie so lange synchronisieren und übereinanderlegen, bis ein lesbares Bild und eine Narration entsteht. Ergebnis ihrer Arbeit sind Videos, die den Tathergang von gewaltvollen Grenzereignissen rekonstruieren und eine visuelle Beweisführung darstellen. Diese Videos werden nicht nur vor Gericht verwendet, sondern zunehmend auch im Kunstfeld präsentiert, wo sie eine medienreflexive Perspektive auf Grenzgewalt ermöglichen.

Die Ausstellung zeigt ihre jüngste Investigation „The Nador-Melilla Border Trap - A Counter-Investigation Into the Racist Massacre of 24 June 2022“. Sie ist in Kollaboration mit Irídia und AMDH entstanden.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, das Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden, die DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Technische Universität Dresden, die Rosa Luxemburg Stiftung und das Lokale Handlungsprogramm LHP Dresden.  

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